Tipps für deinen Shop
5 Rabatt-Fehler, die Onlineshops Geld kosten
Ein Rabatt fühlt sich nach Umsatz an. Ob er Geld bringt oder kostet, entscheidet sich an Stellen, die man beim Anlegen leicht übersieht: an der Marge, an den Kombinationen, an der Laufzeit und im Kleingedruckten.

1 Rabatt ohne Margenrechnung
Bei einem Produkt für 100 € mit 40 % Marge sinkt dein Rohertrag je Stück durch 20 % Rabatt von 40 auf 20 €. Du musst doppelt so viel verkaufen, nur um gleich zu bleiben. Die Formel dahinter: Rabatt ÷ (Marge − Rabatt).
Wie stark der Preis auf den Gewinn durchschlägt, rechnete 1992 eine Auswertung von über 2.400 großen Unternehmen im Harvard Business Review vor: Bei deren durchschnittlicher Kostenstruktur kostet ein um 1 % niedrigerer Preis bei gleicher Menge 11,1 % des Betriebsgewinns. Das ist eine Modellrechnung, keine beobachtete Folge echter Preissenkungen. Für deinen Shop gilt eine andere Zahl, die Richtung aber ist dieselbe.
2 Kunden an Rabatte gewöhnen
In drei großen Feldexperimenten eines US-Versandhändlers brachten tiefere Rabatte mehr spätere Käufe bei Neukunden, aber weniger bei Bestandskunden. Eine naheliegende Erklärung: Wer Rabatte gewohnt ist, wartet auf den nächsten. Deutsche Umfragen passen dazu: 45 % der Black-Friday-Käufer gaben laut MediaAnalyzer an, einen Monat oder länger vorher nichts Größeres mehr zu kaufen, und 64 % der Befragten sehen laut SINUS und YouGov in den Angeboten oft Scheinrabatte.
Setz auf wenige, gut vorbereitete Anlässe im Jahr und dazwischen auf Angebote, die keinen Preis senken, etwa ein Geschenk ab einem Warenkorbwert. Welche Anlässe sich eignen, steht im Jahreskalender für Aktionen.
3 Rabatte, die sich versehentlich stapeln
Shopify kombiniert Rabatte so, wie es die Einstellungen jedes einzelnen Rabatts erlauben. Ein Haken zu viel, und es passiert mehr als geplant. Kunden können bis zu fünf Produkt- oder Bestellcodes und einen Versandcode je Bestellung einlösen.
Eine Rechenregel überrascht viele: Zwei prozentuale Bestellrabatte rechnen beide vom ursprünglichen Betrag. Zweimal 10 % ergeben also 20 %, nicht 19 %. Teste deshalb vor jeder Aktion den schlimmsten Warenkorb: größter Code, ein automatischer Rabatt, Gratisversand und ein Artikel, der schon reduziert ist.

4 Öffentliche Codes ohne Grenzen
Ein Code ohne Enddatum, ohne Nutzungslimit und für alle landet früher oder später auf Gutscheinseiten und in Browser-Erweiterungen. Verlässliche Zahlen dazu, wie viel Umsatz dadurch verloren geht, gibt es nicht; die kursierenden stammen von Anbietern, die Schutz-Software verkaufen. Die Grenzen am Code sind trotzdem billig.
Gib jedem öffentlichen Code ein Enddatum, ein Gesamtlimit, eine Nutzung je Kunde und einen Mindestbestellwert. Für Newsletter und Partner nimm eindeutige Codes, die jeweils einmal gelten.
5 Preisangaben, die abgemahnt werden
In Deutschland ist das Kleingedruckte kein Kleingedrucktes. Diese Punkte haben Gerichte und Gesetzgeber in der EU und in Deutschland schon ins Visier genommen:
- Streichpreis nicht vom 30-Tage-Tiefstpreis: Nach § 11 PAngV und einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2024 muss ein Rabatt von diesem Preis aus gerechnet sein, und der BGH verlangt seit 2025, dass dieser Preis klar lesbar dasteht.
- Mondpreise: Wirbst du mit einer Preisherabsetzung, obwohl der alte Preis nur unangemessen kurz verlangt wurde, vermutet § 5 Abs. 5 UWG eine Irreführung.
- „Bis zu 70 %“ auf fast nichts: Das LG Frankfurt untersagte 2021 eine solche Werbung, bei der nur 2,5 % der Herrenartikel den Höchstrabatt hatten.
- Unklare Laufzeit: Ein groß beworbenes Enddatum, das im Kleingedruckten anders lautet, hielt das LG München I 2023 für unlauter.
- Versteckte Bedingungen: Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 DDG müssen Preisnachlässe, Zugaben und Geschenke klar erkennbar sein, und ihre Bedingungen müssen leicht zugänglich sowie klar und unzweideutig angegeben sein.
- UVP als eigener Rabatt: Ob eine durchgestrichene UVP unter die 30-Tage-Regel fällt, sehen zwei Oberlandesgerichte verschieden, der BGH hat noch nicht entschieden. Gestalte sie nicht wie deinen eigenen Rabatt.
Quellen
- Thomas E. Conine: Should You Cut Volume or Price?, CFO Magazine, 2013(öffnet in einem neuen Tab)
- Marn, Rosiello: Managing Price, Gaining Profit, Harvard Business Review, 1992(öffnet in einem neuen Tab)
- Anderson, Simester: Long-Run Effects of Promotion Depth on New versus Established Customers, Marketing Science 23(1), 2004(öffnet in einem neuen Tab)
- MediaAnalyzer: Countdown zum Black Friday 2025(öffnet in einem neuen Tab)
- SINUS-Institut: Black Friday 2025(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: Discount combinations(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: Rabattcodes (Limits, Berechtigung)(öffnet in einem neuen Tab)
- Preisangabenverordnung, § 11(öffnet in einem neuen Tab)
- EuGH, Pressemitteilung zu C-330/23 (2024)(öffnet in einem neuen Tab)
- BGH, Pressemitteilung 184/2025 (I ZR 183/24)(öffnet in einem neuen Tab)
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 5(öffnet in einem neuen Tab)
- Wettbewerbszentrale: Einstweilige Verfügung gegen H&M wegen „bis zu“-Werbung (2021)(öffnet in einem neuen Tab)
- Haufe: Werbung mit Rabattaktion mit unklarer Dauer ist unlauter (LG München I, 2023)(öffnet in einem neuen Tab)
- Digitale-Dienste-Gesetz, § 6(öffnet in einem neuen Tab)
- OLG Düsseldorf: Pressemitteilung zu I-20 U 43/25 (UVP und Rabatt, 2025)(öffnet in einem neuen Tab)
Häufige Fragen
Warum ergeben zwei 10-%-Rabatte in Shopify 20 % und nicht 19 %?
Darf ich mit „bis zu 70 %“ werben?
Gibt es belastbare Zahlen dazu, wie viel geleakte Rabattcodes kosten?
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