Tipps für deinen Shop
Gratis-Geschenk oder Rabatt: Was wirkt besser?
Du willst den Warenkorb über eine Schwelle heben und fragst dich, ob 10 % Rabatt oder ein Geschenk mehr bringt. Mehrere Studien sprechen für Gratis und Mehrmenge, mit wichtigen Ausnahmen. Und die Kostenrechnung spricht oft für das Geschenk.

1 Leg die Kosten ehrlich nebeneinander
Ein Rabatt von 10 € kostet dich 10 €. Ein Geschenk, das im Shop 10 € kostet, kostet dich nur seinen Einkaufspreis, sagen wir 3 €, dazu vielleicht etwas Verpackung. Bei gleichem Wert für den Kunden ist das Geschenk für dich also deutlich günstiger.
Der zweite Vorteil: Deine Preise bleiben, wie sie sind. Ein Kunde, der heute 10 % bekommt, erwartet sie beim nächsten Mal wieder.

2 Nutze die Kraft der Null
Gratis wirkt stärker, als die Rechnung erwarten lässt. In einem Experiment am MIT wurden zwei Pralinen um jeweils einen Cent billiger, sodass die günstigere plötzlich nichts mehr kostete. Ihr Anteil schoss nach oben, obwohl sich der Preisabstand zur besseren Praline nicht verändert hatte.
Für dich heißt das: Mach das Geschenk wirklich kostenlos. Eine Probe für 0,99 € verschenkt diesen Effekt.
3 Mehr vom Selben kann den Prozentrabatt schlagen
In einem Feldversuch verkaufte ein Laden eine Handlotion 16 Wochen lang abwechselnd mit „35 % Rabatt“ und mit „50 % mehr Inhalt gratis“. Mit der Mengenzugabe gingen 73 % mehr Einheiten über den Tresen, obwohl der Rabatt rechnerisch sogar etwas mehr wert war. Die Forscher erklären das so: Käufer vergleichen die Zahlen 50 und 35, nicht den Wert dahinter.
Der Effekt verschwand bei kleinen Zahlen (10 % Rabatt gegen 11 % mehr) und bei leicht umzurechnenden Paaren wie 50 % Rabatt gegen doppelte Menge. Bei Verbrauchsartikeln lohnt sich der Test trotzdem, etwa „50 % mehr Inhalt“ statt „33 % Rabatt“.
4 Bei Genussprodukten eher Rabatt
Ob Kunden mehr Menge oder einen Rabatt bevorzugen, hängt auch vom Produkt ab. In fünf Experimenten mit Lebensmitteln wählten Menschen bei „vernünftigen“ Produkten lieber die Mengenzugabe, bei Genussmitteln lieber den Preisnachlass. Mehr Schokolade lässt sich schlecht rechtfertigen, ein günstigerer Preis schon.
Die Experimente nutzten nur Lebensmittel. Verkaufst du Süßes, Wein oder Ähnliches, teste zuerst den Rabatt. Bei vernünftigen Lebensmitteln wie Tee eher die Mengenzugabe.
5 Verschenk nicht dein Hauptprodukt
Was als „gratis“ dasteht, kann an wahrgenommenem Wert verlieren. In Experimenten sank die Zahlungsbereitschaft für ein Produkt, nachdem es in einem Bündel als kostenlos beschrieben worden war. Verschenkst du dein Bestseller-Produkt, bringst du Kunden bei, dass es weniger wert ist, als du dafür verlangst.
Besser eignen sich Proben, Reisegrößen, Zubehör oder eine Neuheit, die Kunden kennenlernen sollen. Nenn dazu den regulären Preis und den Grund, zum Beispiel: „Gratis dazu: unsere neue Handcreme in Reisegröße, damit du sie kennenlernst.“
6 Setz die Schwelle einen Artikel über deine typischen Bestellungen
Ein Geschenk ab einem Warenkorbwert zielt auf den ganzen Warenkorb, ein Geschenk zu einem bestimmten Produkt nur auf die Menge dieses Produkts. Liegen viele deiner Bestellungen zwischen 40 und 50 €, ist eine Schwelle bei 55 € für sie einen Artikel entfernt, nicht drei. Wie du diese Stelle in deinen Bestelldaten findest, zeigt Durchschnittlichen Bestellwert erhöhen.
Stell außerdem ein, dass das Geschenk nur einmal je Bestellung vergeben wird. Sonst liegen bei doppeltem Warenkorb zwei Geschenke darin.
7 Sorg dafür, dass das Geschenk auch ankommt
Hier scheitert eine Aktion leicht. Shopifys Buy X get Y macht das Geschenk kostenlos, aber laut Hilfe legt es der Kunde immer selbst in den Warenkorb, automatisch wird es nie hinzugefügt. Wer den Hinweis übersieht, bekommt kein Geschenk und schreibt dir danach eine Mail.
8 Teste beides und miss den Rohertrag
Ob das für deinen Shop gilt, zeigt nur ein Test. Lass Geschenk und Rabatt abwechselnd je eine Woche laufen, wie im Feldversuch oben, und vergleiche danach Bestellwert, Zahl der Bestellungen und Rohertrag je Bestellung. Der Umsatz allein führt in die Irre: Der Rabatt senkt den Umsatz jeder Bestellung, die Kosten des Geschenks zeigen sich nur im Wareneinsatz.
Quellen
- Shampanier, Mazar, Ariely: Zero as a Special Price, Marketing Science 26(6), 2007(öffnet in einem neuen Tab)
- Chen, Marmorstein, Tsiros, Rao: When More Is Less, Journal of Marketing 76(4), 2012(öffnet in einem neuen Tab)
- Mishra, Mishra: Price Discount versus Bonus Pack for Virtue and Vice Foods, Journal of Marketing Research 48(1), 2011(öffnet in einem neuen Tab)
- Kamins, Folkes, Fedorikhin: Promotional Bundles and Consumers' Price Judgments, Journal of Consumer Research 36(4), 2009(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: Buy X get Y(öffnet in einem neuen Tab)
- Bundesrat, Pressemitteilung 157/2001: Aufhebung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung(öffnet in einem neuen Tab)
- Digitale-Dienste-Gesetz, § 6 (kommerzielle Kommunikation)(öffnet in einem neuen Tab)
Häufige Fragen
Darf ich in Deutschland zur Bestellung ein Geschenk dazugeben?
Legt Shopify ein Gratis-Geschenk automatisch in den Warenkorb?
Welches Produkt eignet sich als Geschenk?
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