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Tipps für deinen Shop

Gratis-Geschenk oder Rabatt: Was wirkt besser?

Du willst den Warenkorb über eine Schwelle heben und fragst dich, ob 10 % Rabatt oder ein Geschenk mehr bringt. Mehrere Studien sprechen für Gratis und Mehrmenge, mit wichtigen Ausnahmen. Und die Kostenrechnung spricht oft für das Geschenk.

4 Min. Lesezeit · 28. September 2026

Warenkorb über 60 Euro, der Balken ist voll, und die Handcreme in Reisegröße liegt als Gratis-Geschenk für 0 Euro darin

1 Leg die Kosten ehrlich nebeneinander

Ein Rabatt von 10 € kostet dich 10 €. Ein Geschenk, das im Shop 10 € kostet, kostet dich nur seinen Einkaufspreis, sagen wir 3 €, dazu vielleicht etwas Verpackung. Bei gleichem Wert für den Kunden ist das Geschenk für dich also deutlich günstiger.

Der zweite Vorteil: Deine Preise bleiben, wie sie sind. Ein Kunde, der heute 10 % bekommt, erwartet sie beim nächsten Mal wieder.

Vergleich: 10 Euro Rabatt kosten dich 10 Euro, ein Geschenk im Wert von 10 Euro kostet dich 3 Euro Einkaufspreis

2 Nutze die Kraft der Null

Gratis wirkt stärker, als die Rechnung erwarten lässt. In einem Experiment am MIT wurden zwei Pralinen um jeweils einen Cent billiger, sodass die günstigere plötzlich nichts mehr kostete. Ihr Anteil schoss nach oben, obwohl sich der Preisabstand zur besseren Praline nicht verändert hatte.

Für dich heißt das: Mach das Geschenk wirklich kostenlos. Eine Probe für 0,99 € verschenkt diesen Effekt.

3 Mehr vom Selben kann den Prozentrabatt schlagen

In einem Feldversuch verkaufte ein Laden eine Handlotion 16 Wochen lang abwechselnd mit „35 % Rabatt“ und mit „50 % mehr Inhalt gratis“. Mit der Mengenzugabe gingen 73 % mehr Einheiten über den Tresen, obwohl der Rabatt rechnerisch sogar etwas mehr wert war. Die Forscher erklären das so: Käufer vergleichen die Zahlen 50 und 35, nicht den Wert dahinter.

Der Effekt verschwand bei kleinen Zahlen (10 % Rabatt gegen 11 % mehr) und bei leicht umzurechnenden Paaren wie 50 % Rabatt gegen doppelte Menge. Bei Verbrauchsartikeln lohnt sich der Test trotzdem, etwa „50 % mehr Inhalt“ statt „33 % Rabatt“.

4 Bei Genussprodukten eher Rabatt

Ob Kunden mehr Menge oder einen Rabatt bevorzugen, hängt auch vom Produkt ab. In fünf Experimenten mit Lebensmitteln wählten Menschen bei „vernünftigen“ Produkten lieber die Mengenzugabe, bei Genussmitteln lieber den Preisnachlass. Mehr Schokolade lässt sich schlecht rechtfertigen, ein günstigerer Preis schon.

Die Experimente nutzten nur Lebensmittel. Verkaufst du Süßes, Wein oder Ähnliches, teste zuerst den Rabatt. Bei vernünftigen Lebensmitteln wie Tee eher die Mengenzugabe.

5 Verschenk nicht dein Hauptprodukt

Was als „gratis“ dasteht, kann an wahrgenommenem Wert verlieren. In Experimenten sank die Zahlungsbereitschaft für ein Produkt, nachdem es in einem Bündel als kostenlos beschrieben worden war. Verschenkst du dein Bestseller-Produkt, bringst du Kunden bei, dass es weniger wert ist, als du dafür verlangst.

Besser eignen sich Proben, Reisegrößen, Zubehör oder eine Neuheit, die Kunden kennenlernen sollen. Nenn dazu den regulären Preis und den Grund, zum Beispiel: „Gratis dazu: unsere neue Handcreme in Reisegröße, damit du sie kennenlernst.“

6 Setz die Schwelle einen Artikel über deine typischen Bestellungen

Ein Geschenk ab einem Warenkorbwert zielt auf den ganzen Warenkorb, ein Geschenk zu einem bestimmten Produkt nur auf die Menge dieses Produkts. Liegen viele deiner Bestellungen zwischen 40 und 50 €, ist eine Schwelle bei 55 € für sie einen Artikel entfernt, nicht drei. Wie du diese Stelle in deinen Bestelldaten findest, zeigt Durchschnittlichen Bestellwert erhöhen.

Stell außerdem ein, dass das Geschenk nur einmal je Bestellung vergeben wird. Sonst liegen bei doppeltem Warenkorb zwei Geschenke darin.

7 Sorg dafür, dass das Geschenk auch ankommt

Hier scheitert eine Aktion leicht. Shopifys Buy X get Y macht das Geschenk kostenlos, aber laut Hilfe legt es der Kunde immer selbst in den Warenkorb, automatisch wird es nie hinzugefügt. Wer den Hinweis übersieht, bekommt kein Geschenk und schreibt dir danach eine Mail.

8 Teste beides und miss den Rohertrag

Ob das für deinen Shop gilt, zeigt nur ein Test. Lass Geschenk und Rabatt abwechselnd je eine Woche laufen, wie im Feldversuch oben, und vergleiche danach Bestellwert, Zahl der Bestellungen und Rohertrag je Bestellung. Der Umsatz allein führt in die Irre: Der Rabatt senkt den Umsatz jeder Bestellung, die Kosten des Geschenks zeigen sich nur im Wareneinsatz.

Häufige Fragen

Darf ich in Deutschland zur Bestellung ein Geschenk dazugeben?
Ja. Das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung, die Rabatte und Zugaben stark begrenzten, wurden 2001 aufgehoben. Nach § 6 des Digitale-Dienste-Gesetzes müssen Zugaben und Geschenke im Onlineshop aber klar als solche erkennbar sein, und die Bedingungen müssen leicht zugänglich und eindeutig angegeben sein, etwa ab welchem Warenkorbwert das Geschenk gilt.
Legt Shopify ein Gratis-Geschenk automatisch in den Warenkorb?
Nein. Laut Shopify-Hilfe müssen Kunden bei Buy X get Y alle Artikel selbst in den Warenkorb legen, der kostenlose Artikel wird nie automatisch hinzugefügt. Dafür brauchst du eine App oder eine Anpassung im Theme.
Welches Produkt eignet sich als Geschenk?
Eins mit niedrigem Einkaufspreis und hohem wahrgenommenem Wert, das nicht dein Hauptprodukt ist: Proben, Reisegrößen, Zubehör oder Neuheiten. So entwertest du kein Produkt, das du sonst zum vollen Preis verkaufst.