Checkout-Ratgeber
Shopify-Mindestbestellwert festlegen, auch ohne Shopify Plus
Eine Bestellung über 20 € kann dich Geld kosten: Karton, Versand und Zahlungsgebühr fallen bei jeder Bestellung an, egal wie klein sie ist. Eine Einstellung für einen Mindestbestellwert hat Shopify nicht. Hier steht, wann sich eine Grenze rechnet, welche Umwege es gibt und wie du sie ankündigst, damit niemand erst an der Kasse scheitert.

1 Was ein Mindestbestellwert ist, und wann er sich lohnt
Ein Mindestbestellwert ist der Betrag, den die Artikel im Warenkorb mindestens erreichen müssen, damit eine Bestellung möglich ist. Liegt der Warenkorb darunter, kann der Kunde erst bestellen, wenn er etwas dazulegt.
Er lohnt sich, wenn jede Bestellung feste Kosten mitbringt, die ein kleiner Warenkorb nicht trägt: Verpackung, Versand, Zahlungsgebühr und die Zeit zum Packen. Im Großhandel ist er üblich, weil sich eine Lieferung an Wiederverkäufer erst ab einer gewissen Menge rechnet.
- Günstige Artikel, bei denen der Versand fast so viel kostet wie die Ware
- Schwere, sperrige oder gekühlte Ware mit hohen Kosten je Paket
- Großhandel und Wiederverkäufer, die in größeren Mengen bestellen sollen
2 Rechne aus, was eine kleine Bestellung kostet
Ein Beispiel mit runden Annahmen. Dir bleiben 40 % des Warenwerts als Rohertrag, also nach Abzug des Einkaufspreises. Jede Bestellung kostet dich 1,00 € für die Verpackung, 5,00 € für den Versand, den du nicht weiterberechnest, und 3,00 € für das Packen. Dazu kommt die Kartengebühr von Shopify Payments, im Basic-Plan 2,1 % plus 0,30 €. Zusammen sind das 9,30 € plus 2,1 % je Bestellung. Der Einfachheit halber ohne Mehrwertsteuer, die Gebühr auf den Warenwert gerechnet.
Bei 20 € Warenwert bleiben dir 8,00 € Rohertrag, die Bestellung kostet aber 9,72 €. Du legst also 1,72 € drauf. Bei 30 € stehen 12,00 € Rohertrag gegen 9,93 € Kosten, es bleiben 2,07 €. Bei 50 € sind es 20,00 € gegen 10,35 €, es bleiben 9,65 €. Die Grenze, ab der eine Bestellung nichts mehr kostet, liegt hier bei rund 24,50 €.
Warum dann 50 € und nicht 25 €? Eine Bestellung an der Gewinnschwelle verdient nichts, und Retouren, Bruch und Rückfragen kommen noch dazu. Wo du die Grenze setzt, ist eine Abwägung zwischen Gewinn je Bestellung und Zahl der Bestellungen. Rechne mit deinen eigenen Kosten, nicht mit diesen.

3 Mindestbestellwert oder Gratisversand-Schwelle?
Beide setzen eine Grenze beim Warenkorbwert, aber mit entgegengesetzter Wirkung. Eine Schwelle für Gratisversand belohnt: Wer 50 € erreicht, spart die Versandkosten, und wer darunter bleibt, bestellt trotzdem. Ein Mindestbestellwert blockiert: Wer darunter bleibt, kann gar nicht bestellen.
Die Belohnung ist die freundlichere Wahl, aber nicht automatisch die günstigere. In einer Studie mit Daten eines Online-Händlers reagierten Käufer stark auf Versandkosten, und Gratisversand ab einer Schwelle brachte deutlich mehr Verkäufe. Für den Händler rechnete er sich trotzdem nicht, weil die Versanderlöse fehlten. Wie viele Käufer an einem Mindestbestellwert abspringen, hängt an deinem Sortiment. Eine belastbare Zahl dazu haben wir nicht gefunden.
Beides lässt sich kombinieren: ein niedriger Mindestbestellwert gegen die Verlust-Bestellungen und darüber eine Schwelle für Gratisversand. Wie du Kunden über eine Schwelle bringst, steht in einem eigenen Beitrag.
| Merkmal | Mindestbestellwert | Gratisversand-Schwelle |
|---|---|---|
| Unter der Grenze | keine Bestellung möglich | Bestellung mit Versandkosten |
| Wirkung | schützt vor Verlust-Bestellungen | lockt zum Aufstocken |
| Risiko | Käufer springen ab | Versandkosten trägst du |
| In Shopify | Umweg oder App | eingebaut, über die Versandtarife |
4 Was Shopify ohne App kann
Shopify schreibt selbst: Wer Warenkorb oder Checkout prüfen will, braucht eine App, die Validierungen für Warenkorb und Checkout unterstützt. Ohne App bleiben zwei Umwege, und wer programmieren lässt, hat einen dritten Weg. Jeder hat eine Grenze.
Versandtarife nach Bestellwert. Du lässt den niedrigsten Tarif erst bei 50 € beginnen. Liegt eine Bestellung außerhalb aller Stufen, findet laut Shopify kein Tarif Anwendung, und der Kunde erhält im Checkout eine Versandfehlermeldung. Das hält die kleine Bestellung auf, erklärt sie aber nicht. Für Produkte ohne Versand, etwa digitale, greift der Umweg nicht.
Mengenregeln in B2B. Für Firmenkunden legst du Mindestmenge, Höchstmenge und Schritte je Variante fest. B2B gibt es laut Shopify auf den Plänen Basic, Grow, Advanced und Plus. Die Regeln gelten für B2B-Bestellungen, und einen Mindestwert für die ganze Bestellung nennt Shopifys Übersicht der B2B-Funktionen nicht.
Eine eigene App. Prüfungen im Checkout laufen über Shopify Functions. Eine öffentliche App mit Functions kannst du ab dem Basic-Plan nutzen, eine selbst gebaute Custom App mit Functions nur mit Shopify Plus.
| Weg | Was er kann | Wo er aufhört |
|---|---|---|
| Versandtarife nach Bestellwert | hält kleine Bestellungen auf | der Kunde sieht nur einen Versandfehler |
| Mengenregeln in B2B | Mindestmenge je Variante | nur für B2B, kein Mindestwert der Bestellung |
| Mindestbetrag im Rabatt | Rabatt erst ab einem Betrag | gilt für den Rabatt, nicht für die Bestellung |
| Custom App mit Functions | jede Prüfung im Checkout | nur mit Shopify Plus |
| Öffentliche App mit Functions | Sperre mit eigener Meldung | ab dem Basic-Plan |
5 So richtest du die Sperre in Hand-E Checkout Rules ein
In der App ist ein Mindestbestellwert eine Checkout-Sperre mit einer Bedingung. Gezählt wird die Summe der Artikel, ohne Versandkosten. Liegt sie unter deiner Grenze, steht dein Satz oben im Checkout, und die Bestellung lässt sich nicht abschließen. Den Warenkorb kann der Kunde weiter ändern, denn die Sperre greift erst im Checkout, nicht bei jeder Änderung im Warenkorb.

- Leg eine neue Checkout-Sperre an. Die erste Bedingung steht schon da: Warenkorbwert höchstens.
- Trag den Betrag knapp unter deiner Grenze ein, für 50 € also 49,99. Dann sind Bestellungen bis 49,99 € gesperrt und ab 50,00 € möglich.
- Schreib den Satz, den dein Kunde im Checkout liest, zum Beispiel „Bestellungen sind ab 50 € möglich.“ Er darf höchstens 250 Zeichen lang sein.
- Speichere die Regel. Eine Sperre ohne Bedingung nimmt die App nicht an, weil sie jeden Checkout sperren würde.
6 Nenn die Grenze, bevor jemand zur Kasse geht
Die Sperre meldet sich erst im Checkout. Wer dort zum ersten Mal von 50 € liest, hat sich schon zum Kauf entschieden und fühlt sich ausgebremst. Bei Baymard nennen Käufer als Grund für einen Abbruch unter anderem, dass sie die Gesamtkosten vorher nicht sehen konnten. Ein Mindestbestellwert, der erst an der Kasse auftaucht, ist dieselbe Art Überraschung.
Schreib ihn deshalb dorthin, wo entschieden wird. Vor dem Checkout zeigt die Sperre nichts an, den Hinweis setzt du selbst in dein Theme. Mehr dazu, was Käufer im Warenkorb hält, steht in einem eigenen Beitrag.
- In die Ankündigungsleiste oben im Shop, etwa „Bestellungen ab 50 €“
- In den Warenkorb, direkt über den Knopf zur Kasse
- Auf die Seite zu Versand und Zahlung und in deine Fragen und Antworten
- In den Satz der Sperre: Sag, was zu tun ist, etwa „Bestellungen sind ab 50 € möglich. Leg einfach noch etwas dazu.“
7 Für wen die Grenze gilt, und wo sie nicht greift
Mit einer zweiten Bedingung und „und“ grenzt du die Sperre ein. „Warenkorbwert höchstens 49,99 und Lieferländer AT, CH“ ist ein Mindestbestellwert nur für den Versand ins Ausland. Mit „und Kunde ist angemeldet: nein“ gilt er nur für Gäste, mit „und Kundentags: Händler“ nur für angemeldete Händler. Eine Liste der Art „alle außer“ gibt es nicht: Du nennst, für wen die Sperre gilt.
Im Zweifel sperrt die App nicht. Eine Sperre mit Lieferland greift erst, wenn eine Lieferadresse eingetragen ist. Läuft die Prüfung in einen technischen Fehler, geht die Bestellung durch, statt deinen Checkout lahmzulegen. Verkaufst du in mehreren Währungen, rechnet die App den Warenkorb in deine Shopwährung um.
- Ein Rabatt auf die ganze Bestellung senkt den Wert nicht, den die Sperre prüft. Shopify gibt ihn vor Steuern und vor Rabatten auf den Warenkorb weiter.
- Bestellentwürfe: Checkout-Regeln gelten laut Shopify auch dort, du kannst sie für einen Entwurf aber außer Kraft setzen.
- Point of Sale, Abo-Folgebestellungen und nachträglich bearbeitete Bestellungen prüft Shopify nicht.
- Express-Checkouts wie Shop Pay, PayPal, Apple Pay und Google Pay nennt Shopify ausdrücklich als Teil der Prüfung. Probier es trotzdem einmal mit einem Express-Knopf aus, bevor du dich darauf verlässt.
- Eine Mindestmenge je Produkt kann die App nicht. „Anzahl Artikel“ zählt den ganzen Warenkorb.
- Den Satz schreibst du in einer Sprache. Verkaufst du auch auf Englisch, schreib ihn zweisprachig.
Quellen
- Shopify Hilfe: Zahlungsmethoden und Zustelloptionen im Checkout anpassen (Validierung, Bestellentwürfe, Pläne)(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: Versandtarife einrichten (Tarife nach Bestellwert)(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: B2B-Funktionen nach Plan(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: Mengenregeln und Staffelpreise in B2B(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Hilfe: Rabatt auf einen Betrag (Mindestkaufbetrag)(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Developers: Shopify Functions, Verfügbarkeit nach Plan(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify Developers: Cart and Checkout Validation Function API(öffnet in einem neuen Tab)
- Shopify: Preise und Gebühren (Shopify Payments, Deutschland)(öffnet in einem neuen Tab)
- Lewis, Singh, Fay: An Empirical Study of the Impact of Nonlinear Shipping and Handling Fees on Purchase Incidence and Expenditure Decisions, Marketing Science 25(1), 2006(öffnet in einem neuen Tab)
- Baymard Institute: Cart Abandonment Rate(öffnet in einem neuen Tab)
Häufige Fragen
Was bedeutet Mindestbestellwert?
Kann ich in Shopify ohne App einen Mindestbestellwert festlegen?
Zählen Versandkosten zum Mindestbestellwert?
Ist der Mindestbetrag eines Rabattcodes dasselbe wie ein Mindestbestellwert?
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