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Checkout-Ratgeber

Kauf auf Rechnung nur für Stammkunden anbieten

Kauf auf Rechnung ist in Deutschland fast so beliebt wie PayPal. Für dich heißt er: Du lieferst, bevor das Geld da ist. Bei einem Kunden, der schon dreimal bezahlt hat, ist das ein kleines Risiko. Bei einem Unbekannten mit einem 800-€-Warenkorb nicht. So zeigst du die Rechnung in Shopify nur denen, die du kennst.

Von Max Handrik · Stand: 16. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Regelliste in Hand-E Checkout Rules: Die aktive Zahlungsregel Keine Rechnung für Neukunden blendet die Zahlart Rechnung aus, darunter eine Versandregel und eine Checkout-Sperre

1 Warum Rechnung, aber nicht für jeden

Die Rechnung zu streichen kostet Käufer. Laut EHI liefen 2025 26,1 % des deutschen Online-Umsatzes über den Kauf auf Rechnung, knapp hinter PayPal mit 28,7 %. Wer so zahlen will und die Zahlart nicht findet, springt im letzten Schritt eher ab.

Stellst du die Rechnung selbst, trägst du aber das Risiko. Eine Untersuchung von ibi research nannte die ungesicherte Rechnung die teuerste Zahlart für Händler. Der größte Teil ihrer Kosten sind nicht Gebühren, sondern verspätete Zahlungen, Ausfälle und Retouren.

Ein Stammkunde hat schon gezeigt, dass er zahlt. Ein Unbekannter nicht. Deshalb liegt die Grenze nahe: Rechnung erst ab der zweiten Bestellung.

2 Die Rechnung als Zahlart anlegen

Du hast zwei Wege. Entweder stellst du die Rechnung selbst. Dann legst du in Shopify eine eigene manuelle Zahlungsmethode an. Die Bestellung bleibt offen, bis du sie als bezahlt markierst, und das Ausfallrisiko liegt bei dir.

Oder ein Zahlungsanbieter übernimmt die Rechnung. Er prüft den Käufer und zahlt dich aus. Wann er für einen Ausfall einsteht, regelt sein Vertrag mit dir. Dafür kostet die Rechnung Gebühren, laut EHI im Mittel 1,42 % vom Umsatz, im ungünstigsten Fall 5,99 %.

Für Firmenkunden hat Shopify einen dritten Weg: In Shopify B2B bekommt eine Firma feste Zahlungsbedingungen, etwa 30 Tage netto, laut Shopify-Hilfe auf allen Plänen ab Basic. Mehr dazu im Ratgeber zu Großhandelspreisen mit Shopify B2B.

Eine eigene Zahlart für Endkunden legst du so an:

  1. Öffne im Shopify-Admin Einstellungen › Zahlungen.
  2. Leg bei den manuellen Zahlungsmethoden eine eigene Zahlungsmethode an und gib ihr einen klaren Namen, etwa „Kauf auf Rechnung“.
  3. Trag unter den Zahlungsanweisungen ein, wohin und bis wann der Kunde zahlt. Sie erscheinen auf der Bestellbestätigung im Checkout.
  4. Aktiviere die Zahlart. Ab jetzt sieht sie jeder Käufer, bis eine Regel sie einschränkt.

3 Die Regel: Rechnung ausblenden, solange jemand neu ist

Die Regel blendet die Rechnung für Neukunden aus und lässt sie für alle anderen stehen. Im „Dann“ wählst du „Zahlungsart ausblenden“ mit „Name enthält Rechnung“. Im „Wenn“ steht die Bedingung „Bisherige Bestellungen des Kunden höchstens 0“.

Wer schon einmal bestellt hat, sieht die Rechnung. Soll sie erst ab der dritten Bestellung erscheinen, nimm „höchstens 1“. Statt der Zahl der Bestellungen geht auch der Betrag: „Bisheriger Umsatz des Kunden höchstens 200 €“.

Mit „oder“ hängst du weitere Gründe an, etwa „oder Warenkorbwert mindestens 1.000 €“. Dann bekommt auch ein Stammkunde bei einer ungewöhnlich großen Bestellung keine Rechnung. Mit „und“ grenzt du ein, zum Beispiel auf Lieferländer.

Bedingungen einer Regel in Hand-E Checkout Rules: Bisherige Bestellungen des Kunden höchstens 0, verknüpft mit und: Lieferländer DE, AT, CH
Mit „und“ verknüpft: Die Regel greift nur, wenn beide Bedingungen zutreffen, hier bei Neukunden mit Lieferadresse in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

4 Gäste zählen als Neukunden

Shopify verrät einer Regel im Checkout nur dann, wer der Kunde ist, wenn er mit seinem Kundenkonto angemeldet ist. Eine E-Mail-Adresse im Gastcheckout genügt nicht, das bestätigte ein Shopify-Mitarbeiter im Entwicklerforum. Hand-E Checkout Rules zählt einen Gast deshalb als Neukunden: 0 Bestellungen, 0 € Umsatz, keine Tags.

Für die Rechnung ist das die sichere Richtung. Ein Unbekannter sieht sie nicht. Ein Stammkunde, der als Gast bestellt, aber auch nicht, bis er sich anmeldet. Mit Shopifys neuen Kundenkonten braucht er dafür kein Passwort, nur einen sechsstelligen Code per E-Mail.

Schreib die Bedingung deshalb dazu, wo du deine Zahlarten nennst: „Kauf auf Rechnung ab der zweiten Bestellung, wenn du mit deinem Kundenkonto angemeldet bist.“

Bestellt ein Stammkunde per Telefon oder Mail, leg für ihn einen Bestellentwurf an und schick ihm den Link zum Bezahlen. Laut Shopify laufen Zahlungsregeln auch im Checkout eines Bestellentwurfs, und in unserem Test kannte dieser Checkout den Kunden ohne Anmeldung.

Shopify-Checkout, in dem die Zahlart Rechnung per Regel ausgeblendet ist, Kreditkarte, PayPal und Klarna stehen zur Wahl
So sieht ein Gast den Checkout: Die Rechnung fehlt, alle anderen Zahlarten bleiben.

5 Säumige Zahler über einen Kundentag ausschließen

Die Bedingung zählt Bestellungen. Ob die Rechnung dazu bezahlt wurde, prüft sie nicht. Markiere säumige Zahler deshalb mit einem Kundentag, etwa „keine-rechnung“, und häng an die Regel „oder Kundentags keine-rechnung“ an.

Tags setzt du im Kundenprofil, auf dem Computer auch für viele Kunden auf einmal. Shopify erlaubt bis zu 250 Tags je Kunde. Ein Tag erreicht nur angemeldete Kunden, denn Gäste tragen keine. Die deckt schon die erste Bedingung ab, weil jeder Gast als Neukunde zählt.

Mit Shopify Flow setzt du den Tag automatisch. Flow ist laut Shopify kostenlos auf Basic, Grow, Advanced und Plus. Ein Ablauf kann so aussehen:

  1. Auslöser: Bestellung erstellt.
  2. Bedingung: Die Bestellung lief über deine Zahlart für Rechnungen.
  3. Warten, zum Beispiel 21 Tage. Danach liest Flow die Daten der Bestellung laut Shopify neu ein.
  4. Bedingung: Die Bestellung ist noch nicht bezahlt.
  5. Aktion: Kundentags hinzufügen, „keine-rechnung“.

6 Rechtlich: Sag vorher, wer auf Rechnung kaufen kann

Nach § 312j Abs. 1 BGB musst du Verbrauchern spätestens bei Beginn des Bestellvorgangs klar angeben, welche Zahlungsmittel du annimmst. Steht dort „Kauf auf Rechnung“, schreib die Bedingung dazu. Sonst sucht der Neukunde im Checkout eine Zahlart, die du beworben hast.

Willst du für die Rechnung einen Aufpreis verlangen, gilt § 312a Abs. 4 BGB: Gegenüber Verbrauchern ist er nur wirksam, wenn es eine gängige, zumutbare und kostenlose Zahlart gibt, und er darf deine Kosten nicht übersteigen. Ein Aufpreis im Namen der Zahlart wird übrigens nicht berechnet, die App ändert nur den Namen.

Die Regeln oben nutzen nur Daten aus deinem Shop: Bestellungen, Umsatz, Tags. Fragst du zusätzlich eine Auskunftei nach der Bonität, kommen eigene Datenschutzfragen dazu. Das hier ist keine Rechtsberatung. Lass deine Zahlungsbedingungen im Zweifel prüfen.

Häufige Fragen

Sieht ein Stammkunde die Rechnung, wenn er als Gast bestellt?
Nein. Ohne Anmeldung nennt Shopify einer Regel im Checkout keinen Kunden, und Hand-E Checkout Rules zählt den Gast als Neukunden. Meldet er sich mit seinem Kundenkonto an, sieht er die Rechnung.
Kann ich den Kauf auf Rechnung erst ab der dritten Bestellung anbieten?
Ja. Setz die Bedingung auf „Bisherige Bestellungen des Kunden höchstens 1“. Dann ist die Rechnung bei der ersten und zweiten Bestellung ausgeblendet und erscheint ab der dritten.
Darf ich für den Kauf auf Rechnung eine Gebühr verlangen?
Gegenüber Verbrauchern nach § 312a Abs. 4 BGB nur, wenn es eine gängige, zumutbare und kostenlose Zahlart gibt und die Gebühr deine Kosten nicht übersteigt. Einstellen musst du sie außerhalb der App, denn ein Aufpreis im Namen der Zahlart wird nicht berechnet. Das ist keine Rechtsberatung.
Funktioniert die Regel auch mit Rechnung über einen Zahlungsanbieter?
Ja, solange die Zahlart im Checkout unter einem eigenen Namen steht. Die Regel trifft sie über diesen Namen, etwa „Name enthält Rechnung“ oder den Namen des Anbieters.